Vienna Film Commission

Die schöne Spionin

Die Nacht des 2. September 1940 ist kalt und neblig. Im Hotel Jacob an der Hamburger Elbchaussee feiert eine Gruppe deutscher Top-Agenten Abschied. Neben drei Männern sitzt auch eine Frau am Ecktisch des Nobel-Restaurants: Vera Schalburg – Top-Spionin und schönste Geheimagentin der Deutschen Abwehr. Die Teilnehmer der Runde wissen, dass sie ihre gemeinsamen Tage gezählt sind. Vor ihnen liegt die gefährlichste Mission ihrer Karriere: Operation Lena. Der Einsatz-Befehl kommt direkt aus dem Führer-Hauptquartier. Der Auftrag: Mit Tarn-Identitäten ausgestattet sollen die Agenten in England Flugplätze und andere militärische Einrichtungen ausspionieren. Die Informationen werden dringend benötigt, um die geplante Invasion der britischen Insel zu organisieren. Doch Operation Lena beginnt mit einem tragischen Unfall: Nach der Abschiedsfeier im Hotel Jacob wird Hilmar Dierks, Agentenführer und Liebhaber von Vera Schalburg, schwer verletzt als das Auto der Spione gegen einen Baum prallt. Noch in der Nacht wird er von einem Arzt des Hafenkrankenhauses für tot erklärt. Vera Schulburg bricht weinend zusammen - fordert am nächsten Morgen jedoch mit aller
Entschlossenheit, Operation Lena wie geplant durchzuführen. Operation Lena – Höhepunkt einer packenden Spionage-Geschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges, ein Blick in das Innenleben der Deutschen Abwehr, und: Startschuss für eine jahrzehntelange Spurensuche in geheimen Archiven auf der ganzen Welt.
30. September 1940, 2:30 Uhr nachts: Mit einem Flugboot vom Typ He 115 heben Vera Schalburg und ihre beiden Begleiter Karl Drücke und Robert Petter vom
Stützpunkt im norwegischen Stavanger ab. Vor der schottischen Küste steigen die Spione in Schlauchboote um, wenig später erreichen sie den Strand. Von nun an
kann jeder Fehler tödlich sein. Vera Schalburg alias Vera Erikson alias Vera de Cottany-Chalbur ist die schillerndsten Agentin der Deutschen Abwehr. Geboren 1912 in Riga als Tochter eines zaristischen Admirals, der 1917 von Kommunisten ermordet wurde, macht sie unter der Führung des legendären Abwehr-Chefs Wilhelm Canaris eine steile
Karriere. „Sie war eine unserer bemerkenswertesten Agentinnen. Es gab kaum einen Mann, der nicht von ihr hingerissen war“, schreibt Nikolaus Ritter, Agentenführer der
Abwehr, nach dem Krieg. Doch Schalburgs wichtigste Mission entwickelt sich zu einem verhängnisvollen Fehlschlag. Am Tag zwei von Operation Lena wird das Agenten-Trio am Bahnhof von Port Gordon enttarnt. Im Gepäck der Festgenommenen entdecken englische Inspektoren 19 Magazine Revolver-Munition, Bargeld sowie eine Liste mit Bomber- Stützpunkten. Karl Drücke und Robert Petter werden zum Tode verurteilt und sterben am Galgen. Die Spur von Vera Schalburg hingegen verliert sich in einem
schottischen Verhörzimmer: dort überreicht sie dem Inspektor einen Zettel, auf dem nur eine einzige Nummer steht – es ist die Telefonnummer des britischen
Geheimdienstes MI5. Was geschah mit Agentin Schalburg ? War „the Beautiful Spy“ eine geheime Doppelagentin ? Ist es wahr, dass sie schon in den 30er Jahren vom englischen Geheimdienst rekrutiert worden war ? Und: Stimmt es, dass die legendäre Spionin nach Kriegsende als „Vera de Witte“ in England lebte ? Aufschluss liefern die erst kürzlich veröffentlichen Geheim-Akten aus dem britischen Nationalarchiv. Sie belegen, dass Vera Schalburg schon vor ihrer Festname Kontakt zum MI5 hatte.
Die deutsche Historikerin Dr. Monika Siedentopf hat sich eingehend mit den Mythen und Legenden um die schöne Agentin befasst. Dass Vera Schalburg zu der
berühmten Gruppe der Doppelagenten in der Abwehr-Zentrale gehörte, hält sie nicht für unwahrscheinlich: „In der Abwehr gab es nicht nur stramme Nazis, sondern auch
andere, die überleben wollten.“ Seit längerer Zeit hält sich das Gerücht, dass Vera Schalburg nach dem Krieg sogar ihre große Liebe, ihren ehemaligen Agentenführer Hilmar Dierks wiedergesehen hat. Ein britischer Historiker will herausgefunden haben, dass Dierks bei dem Unfall im September 1940 keinesfalls tödlich verletzt wurde, sondern sich über die Niederlande nach England abgesetzt hatte. Der endgültige Beweis über die wahre Identität der Spionin und die Zeit nach ihrer Festnahme liegt noch immer im Archiv des britischen Geheimdienstes. Auch heute, 67 Jahre nach dem Scheitern von Operation Lena, tragen diese Akten noch Stempel „top secret“.

Projektart
TV-Film
Produktion
SK Film, Aspekt Telefilm
Regie
Miguel Alexandre
DarstellerInnen
Valerie Niehaus, Fritz Karl, Hansa Czypionka, Nina Petri, Jochen Nickel, Peter Kremer, Siegfried Walther u.v.a.
ProduzentInnen
Josef Koschier, Doris Zander
Produktionsleitung
Robert Opratko
Aufnahmeleitung
Daniel Krause
Produktionskoordination
Henrike Grausgruber
Drehbuch
Annette Hess
Kamera
Jörg Widmer
Licht
Herbert Kohlhammer
Ton
Torsten Heinemann
Kostüm
Uli Fessler
Maske
Kerstin Stattmann, Jeannette Latzelsberger, Gregor Eckstein
Szenenbild
Matthias Klemme (Production Designer), Hans Wagner (Art Direcotr Austria)
Casting
Nicole Schmied
Drehstart
27.02.2012
Postproduktion Start
24.04.2012