Vienna Film Commission

Die Lebenden und die Toten

Sita ist 25, lebt in Berlin und studiert Germanistik. Daneben macht sie kleine Video-Portraits der TeilnehmerInnen einer TV-Castingshow. Sita ist ständig verliebt, will viel und vor allem mehr als sie bekommt. Als Sitas beste Freundin schwanger wird, distanziert sich Sita unbewusst von ihr. Eines Nachts landet Sita im Atelier eines israelischen Fotokünstlers, Jocquin. Etwas an Jocquin berührt Sita. Sie kann ihn nicht so schnell vergessen, wie sie angenommen hatte. Sita feiert den 95. Geburtstag ihres geliebten Großvaters in Wien, wo auch ihr Vater Lenzi mit seiner neuen Frau und einem gemeinsamen kleinen Sohn lebt. Am Abend nach dem großen Fest stößt Sita in der Wohnung ihres Vaters auf ein Foto, das ihren Großvater in SS-Uniform zeigt. In derselben Nacht erleidet ihr Großvater einen Herzinfarkt. Er stirbt nicht daran, doch Sitas Aufenthalt in Wien verlängert sich dadurch. Gegen den Willen ihres Vaters beginnt Sita in der Vergangenheit ihres Großvaters nachzuforschen. Sie muss erkennen, dass nicht nur ihr Großvater, sondern auch ihr Vater ihr einiges verschwiegen haben. Ein Dokument in einem Wiener Archiv führt nach Polen, ein Erinnerungsfoto nach Warschau. Dort stößt Sita nicht nur auf weitere wichtige Dokumente, sondern auch auf eine Amerikanerin undpolitische Aktivistin, die ihr weiterhilft: Silver. Dokumente aus dem jüdischen Museum in Warschau belegen, dass ihr Großvater Wachmann im KZ Auschwitz-Birkenau war. Ihre Großeltern haben zu der Zeit nicht nur in Auschwitz gelebt, ihr Vater wurde dort Ende 1944 auch geboren. Als der Israeli Jocquin Sita nach Warschau folgt, sich aber dort in Silver verliebt, verlässt Sita
fluchtartig Warschau und fährt zurück nach Wien. Bevor sie mit ihrem Großvater über das Ergebnis ihrer Nachforschungen sprechen kann, stirbt er. Auf dem Begräbnis lernt Sita das ‘schwarze Schaf’ der Familie kennen, einen Schriftsteller, der als einziges Familienmitglied den Großvater schon vor Jahren zur Rede gestellt hat – und ihn für einen seiner Romane sogar interviewt hat. Über den Onkel erfährt Sita von Videoaufnahmen, auf denen ihr Großvater über seine Zeit in Auschwitz spricht. Die Kluft zwischen Sita und ihrem Vater ist groß geworden. Schon zu Beginn war der Vater gegen Sitas Nachforschungen gewesen, jetzt ist er noch wütender, versteht seine Tochter überhaupt nicht mehr. Doch Sita will nicht aufgeben und hofft, durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit mehr zu verstehen – auch wenn sie sich damit immer weiter von ihrem Vater entfernt. Als Sita die Bänder ihres Onkels sichtet, verstrickt sie sich selbst immer mehr in die Abgründe ihrer Familie. Ihr Herz, das sie schon früher manchmal zu sehr gespürt hat, begehrt auf. Sie muss erkennen, dass sie, so wie ihre Großmutter, ein Loch im Herzen hat. Zwar wird die notwendige Operation nicht lebensbedrohend sein, doch wirft die Krankheit Sita aus der Bahn – oder bringt sie sie zurück zu sich selbst? Eines lernt Sita auf jeden Fall aus der Auseinandersetzung mit der Schuld ihrer Familie: sie übernimmt Verantwortung für sich selbst und andere - und findet zuletzt, ohne sich von ihrem Vater abwenden zu müssen, ihren eigenen Weg.

Projektart
Kino-Spielfilm
Produktion
coop99
Regie
Barbara Albert
Aufnahmeleitung
Jessica Jarosch
Drehbuch
Barbara Albert
Drehstart
12.10.2011
Postproduktion Start
15.12.2011