Vienna Film Commission

Der Mann mit dem Fagott (AT)

Am Ende eines Konzerts erfährt Udo Jürgens, dass ein lange verschollenes Familienerbstück – eine Plastik aus Bronze, die einen Fagottspieler darstellt - in Moskau wieder aufgetaucht ist. Udo Jürgens ist von der Nachricht geradezu elektrisiert.
Alles begann 1891 in Bremen. Udo Jürgens Großvater, Heinrich Bockelmann, hört auf dem Weihnachtsmarkt die mystischen Klänge eines Fagotts. Ein geheimnisvoller Straßenmusiker, gekleidet in Frack und Zylinder, spielt auf seinem Instrument eine traurig schöne, russische Melodie. Für den jungen Heinrich ist diese Begegnung ein Omen. Endlich weiß er, wohin ihn sein Lebensweg führen soll. 21 Jahre später ist Heinrich ein bekannter und überaus einflussreicher Bankier in Moskau. Er ist verheiratet und glücklicher Vater von vier Söhnen, das fünfte Kind kündigt sich bereits an. Zu ihrem 15. Hochzeitstag schenkt ihm seine Frau Anna eine Bronzeplastik. Heinrich ist fasziniert: Die Statue erinnert unerklärlicherweise an den Straßenmusiker aus Bremen, der vor über 20 Jahren sein Schicksal entscheidend bestimmt hat.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verändert sich die Situation der Deutschen in Russland dramatisch. Seine Familie kann Heinrich ins Exil nach Schweden schicken, aber er selbst wird verraten und unter Spionageverdacht verhaftet. Erst nach über einem Jahr Gefangenschaft kommt er frei, um Geld für den Gefängnisaufseher zu besorgen. In seiner Unterkunft hört er erneut die Klänge eines Fagotts. Heinrich eilt auf die Straße und trifft dort tatsächlich den Mann mit dem Fagott wieder. Er deutet diese Begegnung wieder als ein Zeichen und wagt die riskante Flucht über Finnland nach Schweden zu seiner Familie. Nach Kriegsende lässt Heinrich dem Fagottspieler eine Botschaft zukommen. Er hat auf einem Londoner Konto Geld für den verarmten Musiker hinterlegt – genug für einen Neuanfang.
20 Jahre später tobt der Zweite Weltkrieg in Europa. Heinrich besucht seinen Sohn Rudi und dessen Familie in Kärnten, wo Rudi Bürgermeister ist. Als sein Enkel Udo von einem HJ-Führer eine derart heftige Ohrfeige verpasst bekommt, dass sein Trommelfell platzt, erzählt ihm Heinrich zum Trost die Geschichte des Straßenmusikers. Es ist offensichtlich, dass der schmächtige, eher kränkliche Udo den Idealen der Zeit nicht entspricht, aber er hat ein unübersehbares musikalisches Talent. Im Februar 1945 flieht die Familie vor der drohenden russischen Besatzung auf das Familiengut der Bockelmanns in Niedersachsen. Rudi will sich seiner Verantwortung als Bürgermeister nicht entziehen. Er bringt seine Familie und geht zurück nach Kärnten. Dort angekommen wird er von der Gestapo aufgegriffen und wegen Fahnenflucht verhaftet. Im Gefängnis ereilt ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters Heinrich. Rudi überlebt die Gefangenschaft nur knapp. Aber dann ist endlich Frieden.
Mit 21 Jahren ist Udo davon überzeugt, dass es für ihn nur einen Beruf gibt: er will Musiker werden. Sein Vater unterstützt ihn in dem Wunsch. Aber für seinen mächtigen Onkel Erwin ist Musiker kein standesgemäßer Beruf für Udo, er hätte ihn lieber in seiner Firma. Tatsächlich hat es der junge Musiker schwer. Er schlägt sich als Pianist und Sänger einer Band in einem Café in Salzburg mit kleinen Trinkgeldern durch. Dann bekommt er seine Chance: einen Plattenvertrag. Aber er ist unglücklich mit den Liedern, die sein Plattenproduzent ihn singen lässt – Cowboy-Lieder und Italo-Schnulzen. Ein Studienaufenthalt in Amerika bringt für Udo die musikalische Offenbarung. In Harlem erlebt er Jazz-Musik voller Leidenschaft, die schwarzen Musiker spielen Stücke, die von ihren aktuellen Lebenssituationen erzählen.
Zurück aus Amerika will er Lieder singen, die von ihm, seinen Gedanken und vom Alltag der Menschen erzählen, aber niemand - mit Ausnahme seiner Freundin Gitta - glaubt an ihn. Onkel Erwin setzt den erfolglosen Neffen vor die Tür. Doch dann 1966 mit seinem neuen Manager Hans Beierlein kommt endlich der Durchbruch: Udo gewinnt mit dem Song Merci Cheri den Grand Prix und bewegt mit seinen Liedern ein Millionenpublikum…


Ausstrahlung: Fr; 30. September 2011, 20.15 Uhr, ORF eins

Projektart
TV-Film
Produktion
Ziegler Film/Graf Film/MIA Film
Regie
Miguel Alexandre
DarstellerInnen
David Rott, Christian Berkel, Ulrich Noethen, Valerie Niehaus, Herbert Knaup, Andreas Lust, Otto Tausig, Arthur Klemt u.v.m.
ProduzentInnen
Regina Ziegler, Klaus Graf
Herstellungsleitung
Hartmut Köhler, Michal Pokorny (A)
Produktionsleitung
Cornelia Schmidt-Matthiesen
Aufnahmeleitung
Michael Stritzel (Unit Manager), Janek Plathe (Motiv-AL Österreich-Dreh)
Produktionskoordination
Uschi Rohwedder
Drehbuch
Miguel Alexandre und Harald Göckeritz nach dem gleichnamigen Roman von Udo Jürgens und Michaela Moritz
Kamera
Gernot Roll
Licht
Harald Hauschildt
Ton
Dietmar Zuson
Kostüm
Uli Fessler
Maske
Gregor Eckstein
Szenenbild
Team Österreich: Art Director: Conrad Reinhardt, Ausstattungsassistenz: Christine Egger
Casting
Österreich: Nicole Schmied
Drehstart
01.09.2010
Fertigstellung
01.09.2011